Auszug vom Wiesbadener Kurier vom 13.06.2016 Von Torsten Stötzer



ZELTFEST Gebirgstrachten-Erhaltungsverein bietet Partystimmung und Folklore / Mühlbachtaler heizen Gästen ein

MICHELBACH - Volle 29 Jahre – so lange, wie sie bestehen – haben die Zillertaler Haderlumpen auf Michelbach warten müssen. So begrüßen die Volksmusiker aus Österreich ihr Publikum beim 22. Zeltfest des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins (GTEV) Huiberg Weiß-Blau. Zahlreiche Besucher stehen bereits auf den Bänken. Wer noch sitzt, wird direkt zu Schunkelrunden eingeladen.

Das Trio singt über die „Lumpenfreunde“ und die „Madl‘n vom Land“. Aus Zell am Ziller ist die Gruppe aufgebrochen, das ist an der Tür des Tour-Busses zu lesen. Das Gastspiel in Aarbergen reiht sich ein in eine Serie von Auftritten, die die Haderlumpen in jüngster Zeit auch nach Luxemburg, in die Niederlande und nach Essen geführt haben. Zuletzt waren sie in Mayrhofen in Tirol zu hören.

Band-Chef Vitus Amor nennt Michelbach scherzend eine „Weltstadt“ und lobt ganz seriös: „Die kleinen Orte machen es am besten.“ Vor dem Konzert hat er einen Spaziergang über den Huiberg bis zum Segelflugplatz unternommen, um die Gegend beim ersten Besuch kennen zu lernen. Unten im Brühl wartet ein mit rund 1000 Menschen ausverkauftes Zelt auf die Zillertaler Haderlumpen. Der Sieger im Grand Prix der Volksmusik von 2007 hat für einen rasanten Ticketverkauf gesorgt. Karten gingen bis nach Belgien und Nordrhein-Westfalen zu Fanclubs, berichtet der GTEV-Vorsitzende Mario Sgoll. Aus Oberhausen im Ruhrgebiet ist zum Beispiel Lena Buschhaus eigens angereist und aus Frankfurt Nicole Düll. „Das ist wie ein Familientreffen“, erzählen sie und loben die Bodenständigkeit ihrer Idole. Überhaupt steht für sie fest: Die Haderlumpen sind die besten.

Vorab sorgen schon die Original Mühlbachtaler aus dem Nastätter Raum für Stimmung im Zelt mit einer Mischung zwischen Polka und Pop. Die aus den Gottestalern hervorgegangene Formation versteht es, Folklore mit Titeln wie „Seven Nation Army“ zu verbinden und Partylaune zu erzeugen. Die Leute feiern derweil zünftig bei König-Ludwig-Bier und Schweinshaxen mit Sauerkraut.

 Karten bereits im Vorfeld ausverkauft

Das obligatorische Fass Bier sticht Erika Haas nach mehreren Versuchen an der Seite von Bürgermeister Udo Scheliga an. Für den Verein mit seinen 47 Mitgliedern bedeutet das Fest zu stemmen einen personellen Kraftakt. Diesmal war das Zelt erst mittwochs verfügbar, schildert Sgoll. „Seitdem sind wir durchgängig hier“, die Helfer hinter der Theke „sind immer da“, kein Schichtwechsel ist möglich.

Zugleich freut sich Sgoll über ein Publikum, das sich ständig mehr Mühe gibt, in Tracht zu erscheinen. Zwar leuchten manchmal Turnschuhe unter den Lederhosen, aber zugleich ist Liebe zu authentischen Frisuren und Accessoires zu bewundern. Ebenfalls dem Anlass angepasst feiert Innenminister Peter Beuth mit und übergibt als „guter Onkel“ eine Zuwendung, denn der Schirmherr sei ausgefallen.

Zwischen Dirndln und Gamaschen fällt zum einen Stefanie Keller aus Daisbach auf, die mit Schleier und pinkfarbenem Shirt ihren Junggesellinnen-Abschied begeht. Ein orangefarbenes Hemd trägt Gerd Füllhas von der Initiative „Menschen für Kinder“. Es wird Geld gesammelt für krebskranke Kinder und auf eine große Radtour hingewiesen, die im September in Aarbergen Station macht.