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"Die populärste Oktoberfestband der Welt“ heizt den Michelbachern ein


von Thorsten Stötzer Wiesbadener Kurier vom 12.06.2017

MICHELBACH - „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, schallt es unter bayerischen Rauten durch das Festzelt im Michelbacher Brühl. Ein „Humba, humba, täterä“ beherrscht die Band Münchner Zwietracht ebenso wie „Viva Colonia“. Der Stilmix durch die Regionen deutscher Frohsinnslieder stört die Freunde des Zeltfestes des Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Vereins (GTEV) Huiberg Weiß-Blau nicht im Geringsten – ganz im Gegenteil, die Stimmung ist prächtig.

Schottenrock und Lederhosen

Die sechsköpfige Band reißt die Feiernden von den Sitzen, bald wird auf dem Verbundsteinpflaster vor der Bühne getanzt. Nicht das klassische Volkslied ist das Metier der Profi-Musiker, Party ist stattdessen angesagt. Auch optisch darf es bunter zugehen als auf einer bayerischen Kirchweih: Robert Haslinger trägt Schottenrock, die Lederhose darf schon mal eine Nappa-Variante sein.

Diese Atmosphäre haben sich der GTEV-Vorsitzende Mario Sgoll und seine Mitstreiter gewünscht. Im vergangenen Jahr traten die Zillertaler Haderlumpen in Michelbach als Hauptgruppe auf und präsentierten hauptsächlich eigene Stücke. Die kamen bedächtiger rüber und animierten die Leute weniger auf die Bänke zu steigen wie zuvor bei den Original Mühlbachtalern aus der Nastätter Gegend.

 „Unser Publikum hat sich verjüngt“, schildert Sgoll, entsprechend wandelten sich die Erwartungen an die Musik. Die Original Mühlbachtaler werden dem seit Jahren gerecht. Mit dem Zillertaler Hochzeitsmarsch und einem lauten „Zicke-zacke – zicke-zacke“ beenden sie ihr zweistündiges Programm im bebenden Zelt und kommen nächstes Jahr wieder. „Hier ist wieder die Hölle los. Das Publikum ist jedes Mal super“, lobt der Bandchef Peer Krahulik – die Sympathie ist gegenseitig.

 Die Münchner Zwietracht ist laut des Schriftzugs auf ihrem Transporter „die populärste Oktoberfestband der Welt“. Mit einem „Let’s go“ laden die sechs Musiker um Gerry Grass und Wolfgang Köbele zum Feiern ein. Es verschwimmen die Grenzen der Genres, viele Schlager sind im Repertoire dabei wie „Resi, I hol di mit mei’m Traktor ab“ oder Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“.

 Schweinshaxen, Weißwürste und Semmelknödel

 Zugleich hat sich die Kulisse verändert für ihren Auftritt: Statt des Schlosses Neuschwanstein ist eine Videowand zu sehen, auf der zum Beispiel High Heels herumstöckeln zum Hit „Sie hatte nur noch Schuhe an“. Die heimischen Gebirgstrachtler haben sich die Zwietracht übrigens vorab live angeschaut: bei einem Open-Air-Konzert im Zillertal, wohin sie ihren großen Vereinsausflug unternahmen.

 Bei allem Mut zu Innovationen werden Traditionen gewahrt. Schweinshaxen, Weißwürste und Semmelknödel stehen auf der Speisekarte. Die Besucher tragen gerne Tracht, wobei die Frauen häufiger als früher dem Dirndl die Lederhose vorziehen – man muss nicht gleich Hirschleder-Couture wählen. „Es läuft super“, fasst Mario Sgoll zusammen, zumal die Festtage friedlich verlaufen und das Zelt bereits vor sechs Wochen ausverkauft war. „Vielleicht zieht die Band“, vermutet der Vorsitzende.